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Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

Der Literaturpreis "Stadtschreiber von Bergen" wurde geschaffen, um die wachsende Gefährdung unseres kostbarsten Kulturgutes, unserer deutschen Sprache, ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und ihr entgegenzuwirken. Dies geschieht am besten durch die Förderung dessen, der ernsthaft und verantwortlich um die Bewahrung und lebendige Weiterentwicklung unserer Sprache bemüht ist: des freien Schriftstellers.

Verbunden mit dem Preis sind der Wunsch und der Vorschlag, der Stadtschreiber möge während seiner "Amtszeit" in Bergen-Enkheim anwesend sein. Dies ist jedoch nur ein Wunsch und keinesfalls verpflichtend.
(Auszug aus der aktuellen Fassung der Richtlinien für den Literaturpreis "Stadtschreiber von Bergen")

Der amtierende Stadtschreiber: Thomas Melle

Der Stadtschreiber von Bergen-Enkheim 2017/2018 heißt Thomas Melle.
„…Thomas Melle, 1975 geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist Autor vielgespielter Theaterstücke und übersetzt u. a. William T. Vollmann aus dem Amerikanischen. Seine Bücher standen mehrfach auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises, zuletzt das 2016 erschienene „Die Welt im Rücken“. In diesem Roman wird mit großer Kunstfertigkeit und angemessen distanziert eine nicht kontrollierbare seelische Störung beschrieben. Entgegen den Erwartungen erzählt er weder plakativ noch larmoyant oder kokettierend von der Zerbrechlichkeit des Daseins, von flüchtigem Glück, manischer Euphorie und darauf folgenden Episoden sich auftürmenden Unglücks.“ (Begründung der Jury)

Werke
2007 Raumforderung. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main
2011 Sickster. Roman. Rowohlt Berlin, Berlin
2014 3000 Euro. Roman. Rowohlt Berlin, Berlin
2016 Die Welt im Rücken. Rowohlt Berlin, Berlin

Aus seiner Feder stammen darüber hinaus ein Dutzend Theaterstücke, die an namhaften deutschen Bühnen inszeniert wurden.

Auszeichnungen
2008 Förderpreis zum Bremer Literaturpreis
2009 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler
2011 Longlist beim Deutschen Buchpreis mit „Sickster“
2011 Franz-Hessel-Preis für „Sickster“; zusammen mit der französischen Autorin Céline Minard
2014 Shortlist beim Deutschen Buchpreis mit „3000 Euro“
2015 Kunstpreis Berlin
2016 Einladung zu den Mülheimer Theatertagen mit „Bilder von uns“
2016 Shortlist beim Deutschen Buchpreis mit „Die Welt im Rücken“
2016 Platz 1 auf der SWR Bestenliste November mit „Die Welt im Rücken“
2017 Klopstock-Preis für neue Literatur für „Die Welt im Rücken“
2017/2018 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim
2018 Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung

Aktuelles:

Im Grazer Schauspielhaus steht Thomas Melles „Bilder von uns“ unter der Regie von Claudia Bossard auf dem Spielplan. Die österreichische Erstaufführung war bereits am 14. März.

Im Leipziger Schauspiel steht in der kommenden Spielzeit "Ännie" auf dem Spielplan. Premiere ist am 19. Oktober.

Der Intendant der Münchner Kammerspiele, Matthias Lilienthal, hat seine Pläne für die Spielzeit 2018/19 vorgestellt. Von den 13 Produktionen sind sieben Uraufführungen. Experimentell wird es bereits am 4. Oktober bei der Inszenierung „Unheimliches Tal“ – Darsteller ist ein humanoider Roboter, ein von 36 Servomotoren angetriebenes Duplikat des Schriftstellers Thomas Melle. Die Arbeit von Stefan Kaegi will untersuchen, was geschieht, wenn ein Mensch kopiert wird. (Quelle: Merkur.de)

Der nächste Stadtschreiber steht bereits fest: Es ist Clemens Meyer. Die Amtsübergabe findet am 31. August im Berger Festzelt statt.

Den Stadtschreibern auf der Spur

Wolfgang Koeppen (1974/1975)

Als Band 13 der 16bändigen Suhrkamp-Werkausgabe erscheint erstmals eine vollständige Sammlung von Wolfgang Koeppens Feuilleton-Beiträgen. Aus der Verlagsankündigung: „Ihre (kommentierte) Neupublikation macht einen Autor vor allem der dreißiger Jahre sichtbar, der sich für (fast) nichts zu schade war, wenn entsprechende Aufträge vorlagen: In mehr oder weniger gelungenen Kurzbeiträgen zur Rubrik »Witz«, in den Rezensionen von Kinofilmen und Büchern wie in Berichten zu Theateraufführungen bis zu generellen Betrachtungen über Kultur und Alltag artikuliert sich erstmals ein Schriftsteller als junger Journalist.“ Das Buch soll im Dezember erscheinen.

Wolfgang Koeppen: Feuilletons (Werke; 13). – Berlin: Suhrkamp, 2018; 700 S.; geb. Ausg.; 58 Euro; ISBN: 978-3-518-41813-0

Peter Bichsel 2016 in Bergen © Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim
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Peter Bichsel (1981/1982)

Im Berliner Kampa Verlag wird im Oktober ein Gesprächsband mit Peter Bichsel erscheinen:
„Was wäre wenn? – Ein Gespräch mit Sieglinde Geisel. – ca. 180 S.; geb. Ausg.; 22 Euro. – ISBN 978-3-311-14004-7“

Ulla Hahn (1987/1988)

Ulla Hahn erhält in diesem Jahr den Hannelore-Greve-Literaturpreis der Hamburger Autorenvereinigung. Für die Preisvergabe wurde als Begründung die umfangreiche Werkliste der Autorin herangezogen, die sowohl Lyrik als auch Prosa umfasst. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird alternierend mit dem Walter-Kempowski-Literaturpreis vergeben. Beide Literaturpreise werden von der Hannelore und Helmut-Greve-Stiftung für Kultur und Wissenschaften gestiftet, einer Initiative des Unternehmerehepaars Greve. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen eines Festaktes im Herbst. Die Preisträgerin des Jahres 2014 war Herta Müller. (Focus Local)

Eva Demski (1988/1989)

27 Autoren vereint der Sammelband „Donau – eine literarische Flussreise“, und dass bei diesem Thema die Regensburgerin Eva Demski nicht fehlen darf, versteht sich von selbst:
Donau – eine literarische Flussreise : Von der Quelle bis Budapest. Gesammelt von Gerd Burger. – Regensburg: Morsbach, 2018, 217 S. - 20 Euro; ISBN 978-3960180302
Am 11. September liest Eva Demski ab 20 Uhr im Atelier für Kunst, Literatur und Kritik, Hundsgasse 4, Bad Soden aus „Den Koffer trag ich selber“

Herta Müller (1995/1996)

Am 13. Juli fand in der Berliner Gethsemanekirche ein Solidaritäts- und Gedenkgottesdienst für den vor einem Jahr in der Haft verstorbenen Friedensnobelpreisträger und Menschenrechtler Liu Xiaobo statt. Wolf Biermann sang zwei Lieder und Herta Müller las Gedichte seiner Witwe Liu Xia, die sie aus dem Englischen übersetzt hatte. Es waren Journalisten aus aller Welt anwesend. Unter den Gästen war auch Joachim Gauck. Liu Xia stand bis vor kurzem in China unter Hausarrest und durfte erst vor wenigen Tagen ausreisen, nachdem sich zahlreiche Prominente, auch Herta Müller, für sie eingesetzt hatten. Sie hält sich zurzeit in Berlin auf, konnte aber nicht an der Veranstaltung teilnehmen. (FAZ u.a.)

Die Literarische Welt vom 14. Juli widmete eine ganze Seite dem Gedicht „Großer Schnee“ von Liu Xia. Herta Müller kommentiert ihre Übersetzung: „ (…) Es geht in Liu Xias Gedichten um Selbstbehauptung in einem gestohlenen Leben. Es ist in diesen Gedichten eine Würde, die immer anders aufsteht, wenn sie gebrochen wird.“

Die in Gründung befindliche Stiftung Exilmuseum Berlin präferiert eindeutig einen Neubau am Anhalter Bahnhof. Aus der „Jüdischen Allgemeinen“ vom 9. Juli: „(…) Von Anhalter Bahnhof aus seien während der NS-Zeit Zehntausende ins Exil gegangen und ins Ungewisse aufgebrochen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, Kunsthändler Bernd Schulz. (…) Herta Müller hatte ihre Initiative 2011 damit begründet, dass viele Bereiche der NS-Zeit aufgearbeitet seien, aber das Exil ab 1933, die Vertreibung von Hunderttausenden Deutschen ins Ausland, eine Leerstelle in der Museumslandschaft sei. Für solche Biografien müsse es ein Museum geben, erklärte die Schriftstellerin damals in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.(…) Es gebe zwar eine Reihe von Exilforschungen wie beispielsweise das Deutsche Exilarchiv in Frankfurt am Main, führte Müller damals aus. Es gebe aber keinen großen Ort, an dem Flucht und das Exil dargestellt werden als Teil der deutschen Geschichte. (…).“

Dass in Frankfurt nicht nur geforscht wird, sondern dass es auch etwas zu sehen gibt, davon kann man sich in der Dauerausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933–1945 „Exil. Erfahrung und Zeugnis“ überzeugen. Eine Einführung finden Sie unter:
http://www.dnb.de/DE/Ausstellungen/Frankfurt/dauerausstellungDEA2.html

Peter Kurzeck (2000/2001)

Am 11. Juli präsentierten die Herausgeber Rudi Deuble und Alexander Losse in Giessen Kurzecks Romanfragment „Der vorige Sommer und der Sommer davor“, lasen Teile aus dem 500 Seiten starken Werk („Das wird ein richtiger Ziegel“ kommentierte Marcel Baumgartner, der Vorsitzende der Peter-Kurzeck-Gesellschaft) und berichteten über die schwierige editorische Arbeit. Jetzt fehlt noch das Nachwort, aber im Oktober soll der Band dann endgültig erscheinen. (Gießener Allgemeine Zeitung)

Wolfgang Hilbig (2001/2002)

Am 30. August, dem Vorabend zu Hilbigs 77. Geburtstag, lesen Lutz Seiler und Sascha Kokot im Literaturhaus Leipzig ab 19.30 Uhr Texte von und über Wolfgang Hilbig.

Katharina Hacker (2005/2006)

„Geltungssucht und Gier zerstören Vertrautheit“ lautet der Titel eines Gastbeitrags von Katharina Hacker für t-online.de vom 13. Juli. „(…) Die preisgekrönte Schriftstellerin kritisiert Egoismus und rohe Witze und fordert eine andere politische Kultur.“ heißt es in der Einleitung. Hier die Zusammenfassung des Artikels:
“(…) Wir dürfen nicht dulden, dass der Umgang innerhalb der demokratischen Institutionen vergröbert, weil das verschleiert, wie krass die Entscheidungen sind, die in unserem Namen getroffen werden sollen. Vor lauter Missbehagen über den Ton, in dem in den letzten Wochen verhandelt wurde, fasst man kaum noch, worum es im Streit eigentlich gehen sollte:

Es sollte um Menschen gehen, die in Not sind, außerhalb und innerhalb der Grenzen. Um Menschen, die Sorgen haben, ihr vertrautes Leben aufgeben zu müssen und die oft mutig versuchen, eine Lebensmöglichkeit für sich und ihre Familie zu finden.“

Katharina Hacker hat kürzlich auf openPetition eine Petition an den Bundestag gerichtet, die bis zum 15. Juli von 780 Befürwortern unterzeichnet wurde, das sind erst 2% von 50.000, die für ein Quorum benötigt werden. openPetition ist eine freie und gemeinnützige Plattform, auf der Bürger ein gemeinsames Anliegen öffentlich machen, sich organisieren und in den Dialog mit der Politik treten. Wenn Sie die Aktion unterstützen möchten:
https://www.openpetition.de/petition/online/gegen-die-verwahrlosung-politischer-kultur#petition-main

F.C. Delius 2018 in Frankfurt © Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim
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Friedrich Christian Delius (2008/2009)

Das Augsburger Friedensfest steht in diesem Jahr unter dem Motto „Utopie: Was wäre, wenn …?“ In diesem Kontext finden die „1. Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement“ in der Neuen Stadtbücherei statt. Am 23. Juli diskutieren Friedrich Christian Delius, Felicitas Hoppe, Georg Klein und Jonas Luscher, am 24. Juli trifft sich Clemens Meyer mit sechs weiteren Gesprächspartnern. (Augsburger Allgemeine)

Peter Lohmeyer spielt in diesem Jahr nicht nur den Tod im Salzburger „Jedermann“, er ist im Festspielprogramm auch für eine Lesung aus seinem Lieblingsbuch eingetragen: „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ von F.C. Delius.

Marcel Beyer (2012/2013)

„Der Karl-Sczuka-Preis für Hörspiel als Radiokunst 2018 geht an den Musiker und Komponisten Martin Brandlmayr für sein Hörstück »Vive les fantômes«. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober als öffentliche Veranstaltung im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2018. statt.“ (swr)
Marcel Beyer war Mitglied der Jury.

Archiv

Die nachfolgenden Einzelseiten zu den Stadtschreibern wurden nur während der Laufzeit des Stadtschreiberjahres aktualisiert. Für weiterführende Informationen verweisen wir auf die Wikipedia oder die Homepage der Autoren, falls vorhanden.